Rückblick

So Leute, die Zeit vergeht wie im Flug. Jetzt sind es noch genau 3 Wochen, bis es zurück nach Deutschland geht. Ich hab mal meine Bilder durchgeschaut und für euch ein paar schöne Momente zusammengestellt. Viel Spaß dabei!

Die Zeit war einfach unvergesslich!

Euer Raphael

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Ich bin es mal wieder…

Hallo meine lieben Leser,

ich weiß, ich habe mich schon sehr lange nicht mehr bei euch gemeldet, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Jetzt sind es nur noch 3 Wochen, bis ich mich auf den Weg in Richtung Osten mache und dann zurück nach Deutschland fliege. Doch heute habe ich mir endlich mal die Zeit genommen um mich kurz bei euch zu melden.

Nummer EINS: HAPPY BIRTHDAY LENI!!!

Nummer ZWEI: Mir geht es gut !!!

Nummer DREI:

Schönen Abend euch allen!

Raphael

Harte Arbeit, was ist das?

Hallo meine lieben Leser,

da bin ich wieder 😉

Für uns in Deutschland ist es doch selbstverständlich, dass wir über mengenweise Wasser verfügen. Viele schätzen dies nicht einmal. Wir wissen auch nicht, wie toll es ist, den Wasserhahn aufzudrehen und einfach nur das Wasser fließen zu sehen. Hier in Tansania haben nur die wenigsten Häuser einen eigenen Wasseranschluss und nicht einmal dann kann man das Wasser aus der Leitung einfach so trinken.

Was machen diejenigen, die keine Wasserleitung haben? Ganz einfach, das Wasser mit Kanistern schleppen!

Letzten Samstag habe ich Adenani beim Wasserholen begleitet. Zumindest bei EINEM Marsch, Adenani nimmt diese Arbeit bis zu 10 Mal am Tag auf sich. Er holt täglich Wasser für ein kleines Restaurant und verdient sich so seine Brötchen. Wir machten uns gemeinsam auf den Weg und wanderten zur Wasserquelle. Diese lag etwa eine halbe Stunde zu Fuß entfernt, dabei ging es einen Abhang hinunter. Der Pfad war auch ohne zusätzliches Gewicht nicht unbedingt einfach zu gehen und ich bin schon so ins Schwitzen gekommen (die Regenzeit ist jetzt vorbei und die Sonne meint es in den letzten Tagen ein bisschen zu gut). Auf unserem Weg wurden wir von jedem angesprochen und jeder johlte ganz laut, da ich Adenani begleitete. An der Wasserstelle angekommen, war ein lautes Gelächter zu hören, als andere mich erblickten. Es war Samstag und daher ein sehr großer Andrang von jung bis alt.

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So dauerte es eine gewisse Zeit, bis unsere zwei Kanister gefüllt waren und wir uns auf den Rückweg machen konnten. Alle, die vor uns ihre Kanister gefüllt hatten, warteten bis wir soweit waren, nur um mir beim Kanistertragen zuzuschauen. Ich rollte ein Tuch zusammen und legte es mir auf den Kopf, um so den gefüllten Wasserkanister auf den Kopf zu heben. Dabei brach wieder ein großes Gelächter aus und jeder, der eine Kamera an seinem Handy hatte, machte ein Bild von mir. Nun begann die große Menschenwanderung, da alle hinter mir her den Berg hochwanderten. Ich muss zugeben, dass ich mich dabei etwas wie der „King“ gefühlt hatte: blieb ich stehen, blieben hinter mir alle andere stehen, nur um zu schauen, ob ich aufgebe oder was ich mache. Lief ich weiter, folgten sie mir den ganzen Weg über. Der Anfang war absolut kein Problem, mit der Zeit machte sich die Last auf dem Kopf und im Genick aber bemerkbar. Ich war jedoch tapfer und biss mich schwitzend durch. Nach diesem Marsch war ich ganz schön am Schnaufen, obwohl ich „nur“ einen Kanister auf meinen Kopf trug. Die meisten Wasserträger tragen ohne Probleme zwei davon auf dem Kopf, was für mich eine unglaubliche Leistung ist!

Der ein oder andere fragt sich jetzt vielleicht: was ist der Lohn für diese harte Arbeit? Das kann ich euch sagen. Für jeden Kanister gibt es 500 TZS, was umgerechnet nicht einmal 20 Cent sind.

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Ich hoffe, dieser Beitrag war für euch interessant!

Bis bald, Raphael

Was haben Freddie Mercury, Marin Hinkle und Filbert Bayi gemeinsam??

Hey meine Leser,

ich bin, wie manche von euch vielleicht wissen, ein großer Sport-Fan. Da in Tansania große Begeisterung für den Fußball – vor allem für die Premier League – herrscht, wird eigentlich so gut wie jedes Spiel von der Insel in den Bars hier gezeigt. 

Natürlich habe ich mich sehr oft dazugesetzt und mitgefiebert. Dabei ist mir aufgefallen: egal welches Alter, alle kannten sofort jeden Spieler und die meisten wussten auch, aus welchem Land sie kommen. Wenn ich mal jemanden nach deutschen Spielern gefragt hatte, konnte mir bis jetzt jeder eigentlich alle aufzählen – von Neuer über Lahm, Özil, Podolski, Schweinsteiger bis hin zu Jogi Löw.

Dabei habe ich mir die Frage gestellt: wie viele berühmte Sportler, Politiker, Schauspieler oder Sänger kennen wir eigentlich aus Tansania? 

Einige können wahrscheinlich gar keinen auf die Schnelle aufzählen, die einen eventuell einen oder zwei, andere meinen vielleicht sogar, es gibt gar keine berühmte Menschen aus Tansania. Auf alle Fälle wissen viele bestimmt nicht, dass einige bekannte Menschen in Tansania geboren sind und dort auch ihre Kindheit verbracht haben.

Einen großen Einfluss auf das heutige Tansania hatte Julius Kambarage Nyerere (13.04.1922 – 14.10.1999). Er ist vermutlich für viele der bedeutendste Tansanier der Geschichte. Er war nicht nur der erste Präsident Tansanias und hatte das Land somit maßgeblich geprägt, er hatte auch einen großen Anteil an der Unabhängigkeit Tansanias von Großbritannien.

1980 bei den Olympischen Spielen in Moskau trugen sich Filbert Bayi und Suleiman Nyambui in die Geschichtsbücher ein. Filbert Bayi war der erste Tansanier, der bei Olympischen Spielen eine Medaille holte (Silbermedaile über 3000 Meter-Hindernislauf) und Suleiman Nyambui folgte ihm mit der Silbermedaille im 5000 Meter-Lauf und ist somit bis jetzt der letzte Tansanier, der eine Olympische Medaille gewann. Der jüngste tansanische Teilnehmer der Olympischen Spielen ist übrigens Ammaar Ghadiyali. Er startete mit 15 Jahren bei den Olympischen Spielen in London in den Schwimmdisziplinen.

Für die Erhaltung der Afrikanischen Lyrik oder der Sprache Swahili setzte sich der Autor Shaaban Bin Robert ein. Er wurde als „Vater des Swahili“ bezeichnet und war einer der bedeutendsten Swahili-Schriftsteller.

Marin Hinkle ist eine Schauspielerin, die in Tansania geboren ist und einige von euch vermutlich aus „Two and a Half Men“ als Judith Harper (Ex-Frau von Alan) kennen.

Einer der bekanntesten Rocksänger der 70er und 80er Jahre und somit der berühmteste, der in Tansania zur Welt gekommen ist, war Freddie Mercury. Er war Mitbegründer der legendären Band Queen und komponierte unter anderem „We are the Champions“. Wie jeder von euch weiß, ist dieser Song heute eine der bekanntesten Fußballsiegerhymnen. Damit schließt sich auch der Kreis und wir sind wieder beim Fußball angelangt, womit ich am Anfang des Beitrages begonnen hatte.

Doch die Frage bleibt bestehen: warum kennen viele die Berühmtheiten aus Europa, aber fast keiner die beispielsweise aus Tansanias?

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag,

Raphael

90 Tage

Hallo an alle,

ich habe mich schon lange nicht mehr bei euch gemeldet.

Neuigkeiten?
Vor einiger Zeit habe ich das Datum für meinen Rückflug bekommen. Meine Zeit und somit mein Abenteuer in Tansania endet am 10 August, also in 90 Tagen.

Gefühlstechnisch?
Die Zeit vergeht wie im Flug. Es sind auf einmal nur noch 3 Monate. Auf der einen Seite ist es schade, weil ich mich hier sehr wohlfühle und sehr gute Freundschaften geschlossen habe, aber auf der anderen Seite freue ich mich auch auf meine Familie, Freundin, Freunde und den „deutschen Luxus“.

Unternehmungen?
Vor kurzem habe ich von Charles, meinem Arbeitskollegen, eine kleine Lehrstunde in Sachen Motorradfahrern bekommen. Es war sehr belustigend für Charles. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass mir das Anfahren zuerst an einem Berg beigebracht wurde. In letzter Zeit verschlägt es mich an den Wochenenden des Öfteren, manchmal alleine oder mit Elias, auf Wanderungen in die wunderschöne Umgebung von Omurushaka.

Arbeit?
Ich bin in letzter Zeit sehr häufig mit meinen Kollegen im Feld unterwegs, was mir sehr interessante Einblicke gewährt.

Was mich die nächste Zeit noch erwartet?
An einem der nächsten Wochenende werde ich „das Vergnügen haben“, ein Huhn zu schlachten. Mal schauen ob ich danach immer noch Fleisch essen werde 😉

Ein Hauch Luxus?
Vor einiger Zeit wurden Wasserrohre verlegt und nun habe ich einen Hauch Luxus in meinem Zuhause. Leider funktioniert nun aufgrund von zu wenig Wasserdrucks zwar die Dusche nicht mehr, aber immerhin konnte ich drei mal „normal“ duschen und das ohne Wasserflaschen. Ich musste dabei zwar in die Knie gehen und durfte den Schlau auch nicht zu hochhalten, aber es war ein tolles Gefühl. Immerhin funktioniert die Spülung meines Klos (*Jubel*).

News?

Die Mähne ist gefallen…

zum Abschluss:

Euer Raphael

Memorial Week, Wie das Morden zum Alltag wurde, Teil III

Heute folgt der letzte Teil über Genozid in Ruanda. Ich hoffe, ihr habt den gestrigen Beitrag gut verarbeitet.

Versagen der Internationalen Gemeinschaft

Wie konnte es dazu kommen, dass monatelang Menschen sterben mussten, obwohl doch die UN im Land war? Zunächst: Die Mission in Ruanda war als reine Beobachtermission entsandt. Das bedeutet, sie durfte Waffen nur im Fall der Selbstverteidigung einsetzen. Rechtlich sind alle Mitgliedstaaten der UN verpflichtet, bei einem Völkermord einzugreifen. Gerade deshalb drückten sich Regierungssprecher 1994 davor, das Morden als Genozid zu bezeichnen. Da war zum Beispiel in den USA die Rede von „acts of genozide“ anstelle von Genozid. Gerade die USA hatten 1993 erst ein Trauma in Somalia erlitten, bei dem sie wären einer UN-Mission Hubschrauber und mehrere Soldaten verloren. Die Bereitschaft für ein Eingreifen irgendwo in Afrika war nicht vorhanden. bereits 1993 übermittelten die Blauhelme in Ruanda an den Verantwortlichen der Blauhelmmissionen der UN, den späteren Generalsekretär Kofi Annan, Berichte über bevorstehende Ereignisse erheblichen Ausmaßes mit der Bitte um eine Erweiterung des Mandats und Verstärkungen. Das war politisch nicht gewollt. Bittere Ironie: 1994 saß Ruanda als gewählter Vertreter im UN-Sicherheitsrat.

Noch heute wird Ruanda als Beispiel für Versagen der UN genannt. Regelmäßig taucht es in Diskussionen um militärische Interventionen auf, zuletzt bei der Debatte um einen Einsatz in Syrien. Ein Staat aber hat reagiert und eingegriffen: Frankreich. Frankreich war seit der Unabhängigkeit Schutzmacht Ruandas, das durch die belgische Prägung frankophon war, Französisch war also Staatssprache neben Kinyarwanda. Frankreich ging es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv darum, seine Einflüsse in Afrika zu wahren. Uganda und Tansania waren dagegen als ehemalige englische Kolonien englischsprachig – und damit auch die zu großen Teilen dort aufgewachsenen Rebellen der RPF, deren Eltern mit ihnen einst aus Ruanda flohen. Wie schon erwähnt war das ein Grund, warum Frankreich sich 1991 schon gegen den Einmarsch der RPF stellte.

Bereits in den 80ern hatten französische Militärs das ruandische Militär ausgebildet und -gerüstet. Doch nicht nur das: Auch die faschistische Völkermordmiliz Interahamwe wurde von französischen Soldaten mit ausgebildet. 1994 war es dann auch Frankreich unter Präsident Mitterand, das die „Operation Schildkröte“ startete. Erneut landeten im Juni französische Fallschirmjäger in Ruanda. Sie errichteten eine „Schutzzone“, die entmilitarisiert sein solle. Inzwischen war die RPF weit ins Landesinnere vorgestoßen und wurde in ihrem Vormarsch nun von genau dieser Schutzzone aufgehalten. So ging im Südwesten des Landes der Genozid noch einige Zeit weiter und zahlreiche Mörder konnten über diese Zone in den Kongo fliehen, wo internationale Helfer Flüchtlingslager errichteten.

Diese Lager standen schon bald unter der Kontrolle der Hutu Power Bewegung, die scheinbar ohne Probleme auch Waffen in die Lager schaffen und dort mit den internationalen Hilfsgütern ihr faschistisches Staatssystem wieder aufbauen konnte. In den Folgejahren fanden immer wieder Übergriffe aus diesen Lagern auf ruandisches Gebiet statt, bei denen immer wieder Tutsi ermordet worden.

Frankreich hat eine massive Schuld auf sich geladen, zu der sich die französische Regierung nie bekannt hat.

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Memorial der Belgischen UN-Soldaten, die erschossen wurden (Quelle: Flickr)

Folgen des Genozids bis heute

Die erwähnten Übergriffe aus den Lagern im Ostkongo führten 1997 zum ersten Kongokrieg, in dem Ruanda – inzwischen von der RPF regiert – dort einmarschierte, um eben jene Lager aufzulösen. Doch der Geist des Völkermords lebt im Ostkongo bis heute. Die FDLR (Demokratische Kraft zur Befreiung Ruandas) erhielt durch den Prozess in Stuttgart etwas Aufmerksamkeit, dürfte den meisten aber unbekannt sein. Sie gründete sich im Ostkongo an der Grenze zu Ruanda aus geflohenen Mördern des Völkermords und beging dort Verbrechen im Stil von 1994. Ihr erklärtes Ziel war es, jeher nach Ruanda zurückzukehren. Vor diesem Hintergrund mag es kaum überraschen, dass Ruanda ein erhöhtes Interesse an der politischen Entwicklung im Ostkongo hat und auch nicht davor zurückschreckt, Rebellen zu unterstützen, die sich als Verteidigung gegen die FDLR gegründet haben. Bis heute sind die Völkermörder und ihre neuen Rekruten im Ostkongo aktiv und dort massive Kräfte bei der Störung des Friedens. Die Zahl der aktiven FDLR-Kämpfer schwankt zwischen 1-3000.

Und Ruanda heute? Nach dem Sieg der RPF kehrten viele der über die Jahrzehnte geflohenen Tutsi zurück. Große Rachemassaker blieben aus, Ruanda ging durch einen schweren Prozess der Aufarbeitung und Verarbeitung und ist heute sehr stabil. Sein wirtschaftlicher Aufschwung gilt vielen als Musterbeispiel für eine friedliche afrikanische Entwicklung. Unter Kagame herrscht zwar ein autokrater Kurs, doch der innere Frieden ist sichergestellt. In Ruanda gibt es weniger Armut als in den Nachbarländern und Kigali ist eine der wenigen ostafrikanischen Metropolen, in denen Kriminalität kein massives Problem darstellt. Die Zugehörigkeiten zu Hutu und Tutsi sind abgeschafft, eine Propagierung der Unterschiede beider unter Strafe gestellt. Es scheint also alles gut, eine Mustergeschichte für Aufarbeitung.

Doch auch hier trügt der Schein. Die Spaltung der ruandischen Gesellschaft ist längst nicht aufgehoben: Die Tutsi, die aus dem Exil zurückkehrten, häufig junge Leute, die das erste mal bewusst in Ruanda lebten, waren in ihren Exilländern zur Schule gegangen, aufgewachsen und sozialisiert. Zu ihren ehemaligen Herkunftsdörfern und Kleinstädten haben sie kaum Bezug, mit den in Ruanda aufgewachsenen, teilen sie wenig. Sie kehrten zurück – aber in die großen Städte, vor allem Kigali und Butare als Universitätsstadt. Durch ihre Ausbildung hatten sie bessere Chancen, als viele der im Land verbliebenen Hutujugendlichen. Heute ist die Oberschicht in Ruanda zu großen Teilen mit Tutsi besetzt. Und auch wenn nicht offen darüber gesprochen wird, kennt jeder seine eigene ursprüngliche Zugehörigkeit. Im dörflichen Rahmen sind weit weniger Tutsi anzutreffen, als in Kigali. Und das Misstrauen war nach 1994 verständlicherweise groß. Erst jetzt gibt es wieder mehr Mischehen. Viele Hutu füllen sich durch die allgegenwärtige Geschichtsdarstellung diskriminiert; sie beklagen die Opfer der Hutu, die nicht gewürdigt würden und als Täter abgestempelt zu werden. Zahlreiche Programme zur Förderung von Waisen des Genozids schürten Neid. Ruanda ist längst nicht über den Berg, das zeigt auch die Angst um die Krise in Burundi, in der die alten Kategorien von Hutu und Tutsi wieder eine Rolle spielen. Solange Kagame und sein Militär fest im Sattel sind, wird nicht viel passieren. Das Militär ist der Schlüssel – 1994 wie heute. Doch unter der Oberfläche ist nichts vergessen, wenig vergeben und viel weniger als nötig verständigt. Die Zeit kann das richten. Junge Leute in den Städten heute sind nach 1994 geboren. Sie kennen nur ein friedliches Ruanda, erfreuen sich der Globalisierung und dem Leben, das Jugendliche auch in Europa leben. Sie könnten die erste Generation Ruandas sein, die ganz selbstverständlich die Kategorien Hutu und Tutsi ablegt. Noch ist dieser Wandel auf bestimmte Schichten der großen Städte beschränkt. Aber ein Anfang ist gemacht.

Literatur- und Filmtipps

Bücher:

  • Philip Gourevitch – Wir möchten Ihnen mitteilen, daß wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden (1999, New York, deutsche Ausgabe im Berliner Taschenbuch Verlag)

Beschreibung: Auf gut 400 Seiten geht Gourevitch einem ähnlichen Verlauf nach wie mein Beitrag. Sehr gut als Einstieg in das Thema geeignet.

  • Jean Hatzfeld – Nur das nackte Leben (2000, Frankreich, deutsche Ausgabe im Haland & Wirth Verlag)

Jean Hatzfeld – Zeit der Macheten (2003, Frankreich, deutsche Ausgabe im Haland & Wirth Verlag)

Beschreibung: Hatzfeld hat in Ruanda zunächst Interviews mit Überlebenden des Völkermords geführt („Nur das nackte Leben“), später mit Tätern aus der selben Region („Zeit der Macheten“). Sehr einprägsam, insbesondere die Täterinterviews bergen wichtige Erkenntnisse aus der Entstehung eines solchen Verbrechens.

  •  Lukas Bärfuss – 100 Tage (2008, Wallstein Verlag)

Beschreibung: Literarische Aufarbeitung des Genozids aus der Sicht eines fiktiven schweizer Entwicklungshelfers, der 1994 in Ruanda lebt und arbeitet. Sehr offen, sehr explizit. Stark, insbesondere mit eigener Ostafrikaerfahrung.

 Filme:

  • Shooting Dogs (2007, USA)

Beschreibung: Sehr authentischer Film über ein Massaker an einer Schule in Kigali im Jahr 1994. Viele Überlebende haben an dem Film mitgearbeitet, was sich in einer einzigartigen Glaubwürdigkeit widerspiegelt. Sehr bewegend, leider nur auf Englisch erhältlich.

  •  Sometimes in April (2005, USA)

Beschreibung: Geschichte um die Aufarbeitung des Völkermords, spielt während und einige Zeit nach 1994. In stillen Szenen sehr bewegend. Leider nur auf Englisch erhältlich.

 Über den Autor des Beitrags

Bastian Gabrielli lebt seit 2010 im Westen Tansanias und arbeitet seit 2012 als Freiwilligenkoordinator bei artefact, der Organisation, mit der ich – Raphael – in Tansania bin. Neben reichhaltiger Lektüre hat er sich auf mehreren Reisen nach Ruanda ausgiebig mit dem Thema des Genozids auseinandergesetzt und viele Schauplätze aufgesucht.

Danke fürs Lesen, ich hoffe durch diese Beiträge wurde das Ausmaß euch näher gebracht. Ich bedanke mich auch nochmal bei Bastian für den sehr guten Bericht.