Wahlen..

Hallo meine lieben Leser,

wer es noch nicht weiß, in Deutschland wurden die Uhren vor kurzem um eine Stunde zurückgedreht. Somit ist Tansania nun 2 Stunden voraus. Aber nun zum Eigentlichen Anlass meines Beitrages. Am Sonntag waren hier in Tansania Parlaments- bzw. Präsidentschaftswahlen. Ich weiß nicht, in wie weit es die Wahlen in die deutschen Nachrichten geschafft haben. Deshalb möchte ich euch informieren, wie die Situation hier vor Ort so aussieht.

Zuerst einmal, seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1961, also seit 54 Jahren, regiert in Tansania CCM (Chama Cha Mapinduzi; Revolutionspartei). In der Geschichte des Landes hatte CCM , die sich auf den Gründungspräsidenten und ersten Präsidenten Tansanias – Julius Nyerere – beruft, die Wahlen immer mit einer deutlichen Mehrheit gewonnen. Doch bei diesen Wahlen schloss sich die Opposition zum ersten Mal in der Geschichte Tansanias zu einem Bündnis (UKAWA) zusammen. UKAWA (Union für eine Verfassung der Bürger) ist eine Vereinigung von vier Oppositionsparteien, insbesondere CHADEMA und CUF (Civic United Front). Im Jahr 2005 gewann mit rund 80% der Stimmen Jakaya Kikwete (CCM) die Wahl zum Präsidenten von Tansania. Bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2010 konnte Kikwete sich behaupten (mit rund 61% der Stimmen) und wurde für eine weitere Amtszeit gewählt. Bei den aktuellen Wahlen durfte Kikwete, dieser zwei Legislaturperioden Präsident von Tansania war, aufgrund der Amtszeitbegrenzung nicht mehr kandidieren.

Somit war Arbeitsminister John Magufuli (wird wegen seiner Funktion als Minister für öffentliches Bauwesen auch “Bulldozer” genannt) als Spitzenreiter für CCM ins Rennen gegangen. Ihm gegenüber stand Edward Lowassa (Kandidat des Oppositionsbündnisses Ukawa; CHADEMA), der von 2005 bis 2008 Ministerpräsident war, bevor er über einen Korruptionsvorwurf stolperte und zurücktreten musste. Lowassa trägt seither den Spitznamen „Bribe“ (Schmiergeld). Lowassa trat erst dieses Jahr opportunistisch zur Opposition über, nachdem ihn die CCM bei den Vorwahlen überraschend nicht als Kandidaten nominiert hatte. Beide Kandidaten hatten den Wählern in der 47-Millionen-Einwohner-Republik die Schaffung neuer Arbeitsplätze, Hilfe für die Armen sowie den Kampf gegen Korruption versprochen. Viele Tansanier waren deshalb hin- und hergerissen; sie fanden, Magafuli sei der richtige Kandidat in der falschen Partei, Lowassa umgekehrt ein Falscher in der richtigen Partei. Aufgrund diesen wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen für die Wahl voraus gesagt.

Rund 23 Millionen Wähler hatten sich für die Präsidentschaftswahl am Sonntag registriert. Somit war die Wahlbeteiligung deutlich höher als noch 2010 (42,8 Prozent) und dürfte nach derzeitigem Stand bei über 70 Prozent liegen. Der Wahlprozess war in manchen Regionen von schweren Unregelmäßigkeiten geprägt. An mehreren Orten waren Wahlurnen vor Beginn der Wahl bereits mit Stimmzetteln gefüllt. An anderen Orten hingegen fehlten Material wie Stimmzettel, Tinte oder Formulare. In manchen Wahllokalen waren die Zahlen der abgegeben Stimmen auch über der Zahl der eingetragenen Wähler. Innerhalb der Wahlbehörde kam es auch zu schweren Auseinandersetzungen bis hin zu Handgreiflichkeiten. Auf Sansibar hingegen wurde die gesamte Wahl für ungültig erklärt und eine neu Wahl innerhalb von 90 Tagen angesetzt. Durch Verzögerungen der Auszählung oder durch Verzögerung der Veröffentlichung der Ergebnisse wurde in Teilen Tansanias protestiert. Dabei wurden die aufgebrachten Mengen, dies sich Auseinandersetzungen mit der Polizei leisteten, mit Tränengas und Wasserwerfen niedergestreckt.

In Tansania ist nach der Bekanntgabe der einzelnen Ergebnisse der Präsidentschaftswahl ein Streit um den Wahlsieger ausgesprochen worden. Die Wahlkommission erklärte den Kandidaten John Magufuli von der Regierenden CCM zum neuen Präsidenten. Magufuli hat laut Ergebnis 58 Prozent der Stimmen erreicht. Die Opposition geht auf die Barriakden und erkennt das Ergebnis nicht an. Lowassa fordert hingegen die Wahlkommission auf, ihn zum neuen Präsidenten zu ernennen. Weiter fordert er eine Neuauszählung der Stimmzettel und die Opposition bezichtigt zugleich die Regierung des Wahlbetruges.

Was sich in Tansania rund um die Wahlresultate vom vergangenen Tage abgespielt hat, ist alles andere als Werbung für eine moderne afrikanische Demokratie, die Tansania sein möchte. Das Fazit ist: Der CCM-Kandidat Magufuli ist zum jetzigen Zeitpunkt der Sieger der Präsidentschaftswahl und somit neuer Präsident Tansanias. Trotzdem holte CCM nicht die Mehrheit der Parlamentssitze. Die Opposition erkennt die Ergebnisse nicht an und rief ihren Kandidaten Lowassa zum neuen Präsidenten aus.

Liebe Grüße,
Raphael

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Bilder..

Heute möchte ich nicht viele Worte verlieren, sondern euch nur Bilder von meiner Reise nach Dar zeigen.

Blick über die Dächer von Dodoma:
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Blick über die Dächer von Dar:
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Luxus:
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Fähre bzw. Strand in Dar:
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DSC_0146    DSC_0164Zugfahrt (übrigens: auf dem ersten Bild ganz oben durfte ich zwei Tage nächtigen:) )
DSC_0166   DSC_0171   DSC_0177   DSC_0186IMG-20151019-WA0024      IMG-20151019-WA0036       IMG-20151019-WA0053  IMG-20151019-WA0064       DSC_0192IMG-20151019-WA0031      DSC_0195
Zum Schluss Bilder von der Überfahrt von Mwanza nach Bukoba:
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Ich hoffe, euch haben die Bilder gefallen!

Bis die Tage,
Raphael

Hin und wieder zurück..

Tja wo fange ich an…Die Geschichte begann, wie man es wohl erwartet. In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit. Nicht in einem feuchten schmutzigen Loch voller Würmer und moderem Geruch. Nein, das Loch war eine Hobbithöhle.

Oh falsche Geschichte…

Ok, ich machte mich vor etwa 10 Tagen auf den Weg in Richtung Dar. Dies bedeutete, einmal quer durchs ganze Land. Bei unserer Reise haben Mathilda und ich kein übliches Verkehrsmittel auagelassen, um durch ganz Tansania zu reisen. Seit Montag bin ich nun wieder im wunderschönen Omurushaka.

Mathilda und ich machten uns am Freitag mit dem Zug von Dar in Richtung Tabora auf. Auf halber Strecke haben wir uns dazu entschieden, bis nach Mwanza weiterzufahren. Die Zugfahrt ging volle 44 (!) Stunden. Ich teilte mir mein Schlafabteil mit fünf weiteren Männern, da die Schlafabteile nach Geschlechtern getrennt werden. Die Züge in Tansania fahren mit nicht besonders hohen Geschwindigkeiten. So blieb uns genügend Zeit, die Landschaft genauer zu beobachten und mit unseren Mitreisenden ins Gespräch zukommen. Mathilda und ich versuchten auch, das ein oder andere Kartenspiel zu lehren. Der Zug musste aufgrund von Ziegen oder Kühen auf dem Gleis mehrere Stops einlegen. Für Verpflegung im Zug war durch ein Restaurant gesorgt, doch die meisten kauften sich ausschließlich bei kleinen Verkaufsständen an den Haltestationen ihre Mahlzeiten.

In Mwanza angekommen, machten wir uns auf die Suche nach dem  Hafen, denn für den Rest der Reise nahmen wir wieder die Fähre. Die Nacht verbrachten wir unter freiem Himmel. Morgens um halb 6 (nach 12 Stunden) erreichten wir ziemlich erschöpft Bukoba. Gegen Mittag machte ich mich dann auf den Weg nach Omurushaka. Dies bedeutete nochmals 2 Stunden Fahrt im DallaDalla.

Ich bin sehr froh, wieder daheim zu sein, da das Reisen in Tansania auch sehr zeitaufwändig und anstrengend ist. Trotzdem würde ich jederzeit wieder einmal quer durchs Land reisen. Bilder folgen die Tage!

 Liebe grüße und hoffe bis bald

Der Luxus des Westens…

So, da melde ich mich heute schon wieder bei euch und möchte euch von meinem gestrigen bzw. vorgestrigen Tag erzählen.

Nach dieser Horrornacht mit Diebstahl und einem sehr unruhigen Schlaf machten wir uns am nächsten Tag zuerst auf den Weg zum Immigration Office. Dort haben wir unseren offizellen Stempel und somit unser einjähriges Visum für Tansania inklusive Arbeitserlaubnis erhalten. Man muss hier, genauso wie in Deutschland, sehr viel Zeit bei solchen Angelegenheit mitbringen. Nachdem das erledigt war, stand ein Besuch bei der Polizeistation an. Hier wurden die gestohlenen Gegenstände protokolliert.

Unserere Highlights des Tages brachten uns dem Westen näher. Bastian, unser Regionalbetreuer, ging mit uns zuerst in eine Fastfood-Kette, anschließend gab es als Nachtisch ein leckeres Eis. Wir machten auch noch einen kleinen Abstecher in ein großes Einkaufszentrum,  bevor unser Tagesprogramm in einem Kino endete. Den Abend ließen Arne, Leander und ich  gemütlich auf unserem Balkon ausklingen.

Gestern Morgen machten wir uns dann noch einmal auf den Weg an den Indischen Ozean. Mathilda und ich reisten aber am Abend wieder in Richtung Osten und unserer momentanen Heimat zurück. Dabei entschieden wir uns dieses Mal für den Zug in Richtung Tabora. Ich werde euch die Tage mehr davon erzählen und auch Bilder hochladen.

Liebe Grüße und bis bald!

Die andere Seite von Dar…

Guten Morgen,

Nach 10 Stunden Busfahrt haben wir Dar am Mittwochabend zufrieden und gut gelaunt erreicht. Dort haben wir, Mathilda und ich, uns mit zwei weiteren Freiwilligen, Arne und Leander, getroffen. Wir gingen auf die Suche nach einem Hotel. Keiner von uns vier hätte zu diesem Zeitpunkt erahnen können, was uns im Laufe der nächsten Stunden erwarten würde.

Nach enttäuschender Suche vertrauten wir etwas naiv einem Fremden. Dieser Fremde war sehr hilfsbereit und organisierte uns ein sehr günstiges Hotel mit einem sehr vertrauenswürdigem Fahrer. Wir stiegen zufrieden  ins Auto ein und hofften, endlich bald in einem Hotel zu sein. Es kam uns nicht einmal annähernd spansich vor, dass die hinteren Scheiben sehr gut abgedunkelt waren und die hinteren Türen verschlossen wurden. Wir freuten uns über eine kleine Stadttour. So lange, bis wir am Haus des Managers ankammen. Die Angelegenheit wurde mit dem Einsteigen von weiteren Personen erst richtig gemütlich. Wir saßen also zu sechst auf der Ruckbank, als wir aus unserem Traum gerissen wurden und die freundlichen Männer einen Vorschuss am Geld haben wollten. Anschließend waren diese hilfsbereiten Fremden sogar noch so freundlich und haben uns angeboten, Geld für uns abzuheben. Sie betrachteten sogar ausgiebig unsere Handys, bis wir ihnen zwei von unseren Handys freiwillig überlassen haben. Nach weiteren  drei Stunden im bequemen Auto mussten wir enttäuscht feststellen, dass weit und breit kein Hotel zufinden war.

Wie ihr vielleicht rausgelesen habt, wurden wir gestern also überfallen. Insgesamt wurden uns eine Million Tsh (500 Euro) geraubt, plus die Summen, die von unseren Konten abgehoben wurden. Immerhin haben wir alle unsere Reisepasse wiederbekommen. Uns wurde zwar viel Geld entwendet, doch Arne schlug zurück und konnte seinem freundlichem Räuber seine religiöse Kopfbedeckung entwenden. Wir vier sind alle unverletzt und bis auf einen Schock heil wieder rausgekommen. Trotz der Tatsache, mich gesundheitlich immer sicher gefühlt zu haben, beschäftigt mich dieses unangenehme Ereignis noch immer. Der schlimmste Moment war eindeutig der Zeitpunkt, als zwei von ihnen auf unserem Schoß saßen und es hieß, dass sie unser Geld haben wollen. Innerlich war einem davor schon bewusst, was passieren würde, doch dieser Moment machte es erst so richtig deutlich und zog einem sozusagen den Boden unter den Füßen weg.

Ich melde mich bald wieder bei euch!

Einmal quer durchs Land, bitte…

Hallo mein Lieben,

es ist soweit, mein Arbeitsvisum kann abgeholt werden. Dies bedeutet, einmal quer durchs Land nach Daressalam reisen. Ich habe mich gestern mit dem DallaDalla auf den Weg nach Bukoba gemacht. Jede DallaDalla Fahrt ist auf seine ganz besondere Art und Weise einzigartig. Mein Nebenmann transportierte gestern in einem Karton Hühner und mein anderer Nebenmann verwechselte mich mit einem Kopfkissen. Eine weitere Besonderheit war die kurze Pinkelpause. Dabei wurde kein Weg gescheut, um sich zu erleichtern. Man kann sich also vorstellen: Frauen und Männer einen Meter ums Dalla verteilt und jeder lässt es laufen. In Bukoba angekommen, konnte ich nochmals den schönen Strand genießen.

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Gestern Abend machten Mathilda (auch eine Freiwillige von Artefact) und ich uns auf den Weg in Richtung Mwanza. Dabei haben wir uns für den Seeweg entschieden. Die Fähre MS Victoria legte gestern Abend um 18 Uhr in Bukoba ab und kam erfolgreich um halb 6 Uhr morgens in Mwanza an. Die Fähre wurde nicht nur als Transportmittel für Menschen, sondern auch als Frachtschiff genutzt.
DSC_0088DSC_0106DSC_0103Mwanza ist die zweitgrößte Stadt in Tansania und ist das wirtschaftliche Zentrum des Seegebietes. Von dort machten wir uns mit dem Pikipiki auf dem Weg zum Stendi (Busbahnhof). Der Stendi in Mwanza liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums. Von dort ging die Reise mit dem Bus Richtung Hauptstadt (Dodoma). Die Busfahrt ging volle 12 Stunden. Dabei wurde der Film „Der Herr der Ringe“ abgespielt.

Dodoma liegt in der geografischen Mitte des Landes und ist nicht nur die Hauptstadt des Landes, sondern auch der Sitz des Parlaments. Morgen früh geht es dann wieder mit dem Bus in Richtung Dar, um mein Arbeitsvisum abzuholen.

Ich melde mich bald wieder bei euch,
euer Raphael

Neue Erfahrung…

So, heute kommt schon der nächste Eintrag. Es ist zwar kein freudiges Ereignis, war aber eine sehr große Erfahrung  für mich. Letzte Woche war ich auf einer Beerdigung. Ich hoffe, ich kann meine Eindrücke auch ohne Bilder gut mit euch teilen und euch näher bringen.

Die Beerdigung fand ungefähr 35 Kilometer von Omurushaka entfernt statt. Meine Arbeitskollegen und ich machten uns mit dem Auto auf den Weg dorthin. Die Straßen waren, wie soll ich sagen, ziemlich bescheiden und so wurden wir zu zwölft ordentlich durchgeschüttelt. Das Auto stoppte und es machte den Eindruck, als stehen wir im Nirgendwo. Sehr viele Menschen waren auf den Straßen. Außer einer Bananenplantage und einem Weg dorthin war nichts zu sehen. Wir liefen also diesen Weg entlang. Nach ungefähr 300 Metern sah man einen selbst gebauten Pavillon, der mit provisorischen Folien (die einige Löcher aufwiesen) abgedecktwurde. Die tragenden Holzpfeiler wurden in ein weißes Tuch eingewickelt und vieles war weiß/lila dekoriert. Unter dem Pavillon waren Plastikstühle aufgestellt, die alle belegt waren.

Wir gingen also durch die Menschenmengen und unter dem Pavillon hindurch und gelangten in das dahinter gelegene Haus. Im Haus saßen circa 40 Frauen auf den Boden. Durch diesen Raum wurde ich durchgeschleust, bis wir im nächsten Zimmer ankamen. Es wurde nicht viel gesprochen, darum wusste ich auch nicht so ganz, was los war, als alle Ihre Schuhe auszogen. Als wir deiesen Raum betraten saßen schätzungsweise 20 Frauen am Boden. An der einen Wand stand der Sarg mit der verstorbenen Frau. Die Stimmung war bedrückt, was bei solch einem Anlass ja auch gewöhnlich ist. Doch als sie mich sahen (mich, den Weißen), wandelte sich diese Bedrücktheit in Verwunderung um. Als ich dann meine noch nicht so guten Kenntnisse in Suaheli auspackte, machte die Stimmung sogar einen Umschwung zu einem leichten Schmunzeln. Gleich wie in Deutschland gibt man auch hier in Tansania den Familienangehörigen der Verstorbenen die Hand, um sein Beileid auszudrücken.

Die männlichen Angehörigen waren nicht im Haus zu finden, sondern standen abseits des Geschehen beisammen. Nachdem wir auch hier jedem die Hand geschüttelt hatten, liefen wir zum Nachbarhaus. Im Hinterhof war ein Büffet aufgebaut. Das Büfett bestand aus zwei verschiedenen Reissorten, Kartoffeln, Fleisch, Obst und noch ein paar anderen Leckereien. Ich befüllte meinen Teller für meine Verhältnisse sehr gut, doch meine Arbeitskollegen brachten es fertig, fast das Dreifache auf den Teller zu bekommen. Die Männer aßen schließlich im Haus und die Frauen im Hinterhof. Ich bin mir nicht sicher, ob dies auch eine Tradition ist oder ob es eben eine Ausnahme war. Nachdem ich meinen gut befüllten Teller leer gegessen hatte, wurde ich aufgefordert, nochmals zu schöpfen, da es ja umsonst wäre (und da sagt man immer, die Schwaben seien schlimm 🙂 ).

Dann begann der Gottesdienst: der Stromgenerator grölte und man verstand nicht unbedingt viel vom Gesagten (speziell ich noch nicht, da der Gottesdienst auf Suaheli gehalten wurde). Musikalisch wurde der Gottesdienst von einem Keyboard begleitet, das sich ab und zu so anhörte wie ein Mix aus einer schlechten Beat Box sowie aus einem Chor. Die angestimmten Lieder wirkten nicht wie in Deutschland traurig, sondern rhythmisch und auf eine gewisse Art sogar fröhlich. Die Beerdigung wurde auch die ganze Zeit gefilmt, was auf mich etwas befremdlich wirkte.

Im Gottesdienst selbst waren einige Ähnlichkeiten zu einem deutschen Gottesdienst zu erkennen. Hostien wurden verteilt, das Vater Unser wurde gebetet, und das „Friede-sei-mit-uns“ wurde in den Gottesdienst eingebaut. Ein Unterschied zu einem Deutschen Gottesdienst war kurz vor Schluss zu erkennen, als der Sarg geöffnet wurde und jeder der Familie Geld spendete, der am offenen Sarg vorbeilief. So kann man dort auch der Toten noch einmal in die Augen schauen.

Ich hoffe, ich konnte euch einige meiner neuen Eindrücke etwas näher bringen! Es war auf alle Fälle ein sehr interessantes Erlebnis.

Bis bald,
Raphael