Memorial Week, Wie das Morden zum Alltag wurde, Teil III

Heute folgt der letzte Teil über Genozid in Ruanda. Ich hoffe, ihr habt den gestrigen Beitrag gut verarbeitet.

Versagen der Internationalen Gemeinschaft

Wie konnte es dazu kommen, dass monatelang Menschen sterben mussten, obwohl doch die UN im Land war? Zunächst: Die Mission in Ruanda war als reine Beobachtermission entsandt. Das bedeutet, sie durfte Waffen nur im Fall der Selbstverteidigung einsetzen. Rechtlich sind alle Mitgliedstaaten der UN verpflichtet, bei einem Völkermord einzugreifen. Gerade deshalb drückten sich Regierungssprecher 1994 davor, das Morden als Genozid zu bezeichnen. Da war zum Beispiel in den USA die Rede von „acts of genozide“ anstelle von Genozid. Gerade die USA hatten 1993 erst ein Trauma in Somalia erlitten, bei dem sie wären einer UN-Mission Hubschrauber und mehrere Soldaten verloren. Die Bereitschaft für ein Eingreifen irgendwo in Afrika war nicht vorhanden. bereits 1993 übermittelten die Blauhelme in Ruanda an den Verantwortlichen der Blauhelmmissionen der UN, den späteren Generalsekretär Kofi Annan, Berichte über bevorstehende Ereignisse erheblichen Ausmaßes mit der Bitte um eine Erweiterung des Mandats und Verstärkungen. Das war politisch nicht gewollt. Bittere Ironie: 1994 saß Ruanda als gewählter Vertreter im UN-Sicherheitsrat.

Noch heute wird Ruanda als Beispiel für Versagen der UN genannt. Regelmäßig taucht es in Diskussionen um militärische Interventionen auf, zuletzt bei der Debatte um einen Einsatz in Syrien. Ein Staat aber hat reagiert und eingegriffen: Frankreich. Frankreich war seit der Unabhängigkeit Schutzmacht Ruandas, das durch die belgische Prägung frankophon war, Französisch war also Staatssprache neben Kinyarwanda. Frankreich ging es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts massiv darum, seine Einflüsse in Afrika zu wahren. Uganda und Tansania waren dagegen als ehemalige englische Kolonien englischsprachig – und damit auch die zu großen Teilen dort aufgewachsenen Rebellen der RPF, deren Eltern mit ihnen einst aus Ruanda flohen. Wie schon erwähnt war das ein Grund, warum Frankreich sich 1991 schon gegen den Einmarsch der RPF stellte.

Bereits in den 80ern hatten französische Militärs das ruandische Militär ausgebildet und -gerüstet. Doch nicht nur das: Auch die faschistische Völkermordmiliz Interahamwe wurde von französischen Soldaten mit ausgebildet. 1994 war es dann auch Frankreich unter Präsident Mitterand, das die „Operation Schildkröte“ startete. Erneut landeten im Juni französische Fallschirmjäger in Ruanda. Sie errichteten eine „Schutzzone“, die entmilitarisiert sein solle. Inzwischen war die RPF weit ins Landesinnere vorgestoßen und wurde in ihrem Vormarsch nun von genau dieser Schutzzone aufgehalten. So ging im Südwesten des Landes der Genozid noch einige Zeit weiter und zahlreiche Mörder konnten über diese Zone in den Kongo fliehen, wo internationale Helfer Flüchtlingslager errichteten.

Diese Lager standen schon bald unter der Kontrolle der Hutu Power Bewegung, die scheinbar ohne Probleme auch Waffen in die Lager schaffen und dort mit den internationalen Hilfsgütern ihr faschistisches Staatssystem wieder aufbauen konnte. In den Folgejahren fanden immer wieder Übergriffe aus diesen Lagern auf ruandisches Gebiet statt, bei denen immer wieder Tutsi ermordet worden.

Frankreich hat eine massive Schuld auf sich geladen, zu der sich die französische Regierung nie bekannt hat.

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Memorial der Belgischen UN-Soldaten, die erschossen wurden (Quelle: Flickr)

Folgen des Genozids bis heute

Die erwähnten Übergriffe aus den Lagern im Ostkongo führten 1997 zum ersten Kongokrieg, in dem Ruanda – inzwischen von der RPF regiert – dort einmarschierte, um eben jene Lager aufzulösen. Doch der Geist des Völkermords lebt im Ostkongo bis heute. Die FDLR (Demokratische Kraft zur Befreiung Ruandas) erhielt durch den Prozess in Stuttgart etwas Aufmerksamkeit, dürfte den meisten aber unbekannt sein. Sie gründete sich im Ostkongo an der Grenze zu Ruanda aus geflohenen Mördern des Völkermords und beging dort Verbrechen im Stil von 1994. Ihr erklärtes Ziel war es, jeher nach Ruanda zurückzukehren. Vor diesem Hintergrund mag es kaum überraschen, dass Ruanda ein erhöhtes Interesse an der politischen Entwicklung im Ostkongo hat und auch nicht davor zurückschreckt, Rebellen zu unterstützen, die sich als Verteidigung gegen die FDLR gegründet haben. Bis heute sind die Völkermörder und ihre neuen Rekruten im Ostkongo aktiv und dort massive Kräfte bei der Störung des Friedens. Die Zahl der aktiven FDLR-Kämpfer schwankt zwischen 1-3000.

Und Ruanda heute? Nach dem Sieg der RPF kehrten viele der über die Jahrzehnte geflohenen Tutsi zurück. Große Rachemassaker blieben aus, Ruanda ging durch einen schweren Prozess der Aufarbeitung und Verarbeitung und ist heute sehr stabil. Sein wirtschaftlicher Aufschwung gilt vielen als Musterbeispiel für eine friedliche afrikanische Entwicklung. Unter Kagame herrscht zwar ein autokrater Kurs, doch der innere Frieden ist sichergestellt. In Ruanda gibt es weniger Armut als in den Nachbarländern und Kigali ist eine der wenigen ostafrikanischen Metropolen, in denen Kriminalität kein massives Problem darstellt. Die Zugehörigkeiten zu Hutu und Tutsi sind abgeschafft, eine Propagierung der Unterschiede beider unter Strafe gestellt. Es scheint also alles gut, eine Mustergeschichte für Aufarbeitung.

Doch auch hier trügt der Schein. Die Spaltung der ruandischen Gesellschaft ist längst nicht aufgehoben: Die Tutsi, die aus dem Exil zurückkehrten, häufig junge Leute, die das erste mal bewusst in Ruanda lebten, waren in ihren Exilländern zur Schule gegangen, aufgewachsen und sozialisiert. Zu ihren ehemaligen Herkunftsdörfern und Kleinstädten haben sie kaum Bezug, mit den in Ruanda aufgewachsenen, teilen sie wenig. Sie kehrten zurück – aber in die großen Städte, vor allem Kigali und Butare als Universitätsstadt. Durch ihre Ausbildung hatten sie bessere Chancen, als viele der im Land verbliebenen Hutujugendlichen. Heute ist die Oberschicht in Ruanda zu großen Teilen mit Tutsi besetzt. Und auch wenn nicht offen darüber gesprochen wird, kennt jeder seine eigene ursprüngliche Zugehörigkeit. Im dörflichen Rahmen sind weit weniger Tutsi anzutreffen, als in Kigali. Und das Misstrauen war nach 1994 verständlicherweise groß. Erst jetzt gibt es wieder mehr Mischehen. Viele Hutu füllen sich durch die allgegenwärtige Geschichtsdarstellung diskriminiert; sie beklagen die Opfer der Hutu, die nicht gewürdigt würden und als Täter abgestempelt zu werden. Zahlreiche Programme zur Förderung von Waisen des Genozids schürten Neid. Ruanda ist längst nicht über den Berg, das zeigt auch die Angst um die Krise in Burundi, in der die alten Kategorien von Hutu und Tutsi wieder eine Rolle spielen. Solange Kagame und sein Militär fest im Sattel sind, wird nicht viel passieren. Das Militär ist der Schlüssel – 1994 wie heute. Doch unter der Oberfläche ist nichts vergessen, wenig vergeben und viel weniger als nötig verständigt. Die Zeit kann das richten. Junge Leute in den Städten heute sind nach 1994 geboren. Sie kennen nur ein friedliches Ruanda, erfreuen sich der Globalisierung und dem Leben, das Jugendliche auch in Europa leben. Sie könnten die erste Generation Ruandas sein, die ganz selbstverständlich die Kategorien Hutu und Tutsi ablegt. Noch ist dieser Wandel auf bestimmte Schichten der großen Städte beschränkt. Aber ein Anfang ist gemacht.

Literatur- und Filmtipps

Bücher:

  • Philip Gourevitch – Wir möchten Ihnen mitteilen, daß wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden (1999, New York, deutsche Ausgabe im Berliner Taschenbuch Verlag)

Beschreibung: Auf gut 400 Seiten geht Gourevitch einem ähnlichen Verlauf nach wie mein Beitrag. Sehr gut als Einstieg in das Thema geeignet.

  • Jean Hatzfeld – Nur das nackte Leben (2000, Frankreich, deutsche Ausgabe im Haland & Wirth Verlag)

Jean Hatzfeld – Zeit der Macheten (2003, Frankreich, deutsche Ausgabe im Haland & Wirth Verlag)

Beschreibung: Hatzfeld hat in Ruanda zunächst Interviews mit Überlebenden des Völkermords geführt („Nur das nackte Leben“), später mit Tätern aus der selben Region („Zeit der Macheten“). Sehr einprägsam, insbesondere die Täterinterviews bergen wichtige Erkenntnisse aus der Entstehung eines solchen Verbrechens.

  •  Lukas Bärfuss – 100 Tage (2008, Wallstein Verlag)

Beschreibung: Literarische Aufarbeitung des Genozids aus der Sicht eines fiktiven schweizer Entwicklungshelfers, der 1994 in Ruanda lebt und arbeitet. Sehr offen, sehr explizit. Stark, insbesondere mit eigener Ostafrikaerfahrung.

 Filme:

  • Shooting Dogs (2007, USA)

Beschreibung: Sehr authentischer Film über ein Massaker an einer Schule in Kigali im Jahr 1994. Viele Überlebende haben an dem Film mitgearbeitet, was sich in einer einzigartigen Glaubwürdigkeit widerspiegelt. Sehr bewegend, leider nur auf Englisch erhältlich.

  •  Sometimes in April (2005, USA)

Beschreibung: Geschichte um die Aufarbeitung des Völkermords, spielt während und einige Zeit nach 1994. In stillen Szenen sehr bewegend. Leider nur auf Englisch erhältlich.

 Über den Autor des Beitrags

Bastian Gabrielli lebt seit 2010 im Westen Tansanias und arbeitet seit 2012 als Freiwilligenkoordinator bei artefact, der Organisation, mit der ich – Raphael – in Tansania bin. Neben reichhaltiger Lektüre hat er sich auf mehreren Reisen nach Ruanda ausgiebig mit dem Thema des Genozids auseinandergesetzt und viele Schauplätze aufgesucht.

Danke fürs Lesen, ich hoffe durch diese Beiträge wurde das Ausmaß euch näher gebracht. Ich bedanke mich auch nochmal bei Bastian für den sehr guten Bericht.

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Memorial Week, Wie das Morden zum Alltag wurde, Teil II

Heute folgt der zweite Teil von  „Wie das Morden zum Alltag wurde – Der Genozid in Ruanda 1994“ von Bastian Gabrielli.  Nehmt euch bitte Zeit und lasst es auf euch wirken.

Der Weg zum Völkermord

Inzwischen hatte sich der von Belgiern geschürte Hass gegen die angeblichen Tutsiherrscher unter weiten Teilen der Hutu ausgebreitet. Die Tutsi standen nach ihren Theorien für Jahrhunderte der Versklavung und Unterdrückung. Sie wurden als Invasoren, die einst aus Äthiopien einwanderten und die Herrschaft an sich rissen, dargestellt. Für die lange Zeit diskriminierten Hutu eine fruchtbare These. Schon in den 50ern gab es erste Massaker an Tutsi, insbesondere 1959 mit etwa zehntausend Toten und hunderttausenden geflohenen Tutsi. Grausame Vorboten der Ereignisse, die da kommen sollten: In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Massaker an Tutsi, die immer wieder neue Fluchtwellen auslösten. Insbesondere nach Uganda, Tansania und Burundi. Die Hutu-Regierung nahm selbst zwar nicht prganisiert an den Massakern teil, tat aber auch nichts, um sie zu verhindern. 1973 kam Präsident Habyarimana an die Macht, die einstige demokratischen Grundsätze waren schon längst autokraten Regierungsstilen gewichen. Habyarimana sollte bis 1994 Präsident bleiben – bis sein Flugzeug am 7. April abgeschossen wurde.

Unter seiner Regierung nahmen die Massaker zwar ab, jedoch traten andere Probleme auf. So fiel in den 80ern der internationale Kaffeepreis massiv und stellte Ruandas Wirtschaft vor eine harte Probe. Und nicht zuletzt war da das Problem der Exil-Tutsi: Millionen waren über die Jahre der Massaker in die Nachbarstaaten geflohen. Als die 80er ruhig verliefen, kamen Forderungen der Flüchtlinge nach einer Heimkehr nach Ruanda auf. Die radikalen Hutueliten wollten dies aber nicht – sahen sie doch nach wie vor in den Tutsi den Feind.

Es bildete sich gegen Ende der 80er daher eine Rebellenbewegung der Exiltutsi, insbesondere in Uganda: Die RPF (Ruandisch-Patriotische Front). Unter ihnen war der noch junge Paul Kagame, heutiger Präsident Ruandas. Er und seine Waffenbrüder unterstützen Museveni, den heutigen Präsidenten Ugandas, Mitte der 80er in einem Bürgerkrieg in Uganda. Sie waren daher kriegserfahren, ausgebildet und gut ausgerüstet. Im Gegensatz zur ruandischen Armee. Die RPF erzielte schnell militärische Erfolge gegen eben jene und marschierte Richtung Kigali. Damit war eine äußere Bedrohung erschaffen, die den ideologisch indoktrinierten Hutu Angst machte: Die Tutsi kommen erneut, um sie zu versklaven. Präsident Habyarimana gründete die Miliz Interahamwe („Die, die zusammen kämpfen“) zur Selbstverteidigung der Hutu. Mit einfachen Waffen wie Speeren, Keulen und Machten ausgestattet, traten viele Hutu der Miliz bei und trainierten den Kampf gegen die Tutsi.

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Miliz Interahamwe (Quelle: Flickr)

1991 gab es durch dieses Klima die größten Massaker bis dato und erneut fanden Zehntausende den Tod.

Letztlich war es aber weder die ruandische Armee noch eine Miliz, die den Vormarsch der RPF stoppte – sondern Ruandas Schutzmacht Frankreich. Französische Fallschirmjäger (dazu mehr im Abschnitt ‚Versagen der Internationalen Gemeinschaft‘) stellten sich der RPF entgegen, die nun hoffnungslos unterlegen war und unter den Vermittlungen der UN Waffenstillstandsverhandlungen zustimmten. Auch Habyarimana gab dem internationalen Druck nach und stimmte Verhandlungen zu. 1991 wurde dadurch neben einem Waffenstillstand eine UN-Mission ins Land entsendet – mit dem Auftrag, den Frieden in Ruanda zu überwachen.

Der Konflikt war damit keinesfalls beendet, die wesentlichen Fragen nach Entwaffnung der RPF und Heimkehr der Tutsi Flüchtlinge blieben ungeklärt. Viel mehr noch gediehen unter diesem Klima Hass und Propaganda. Allen voran Radiosender wie RTLM verbreiteten ihre rassistischen Ideologien und sprachen offen davon, dass Arbeit nötig sei, um die Kakerlaken – wie Tutsi häufig genannt wurden – auszulöschen. Auch die Kritik an Habyarimana nahm in Ruanda zu: Vielen Hutu schien er weich geworden zu sein, hatte er doch mit dem Feind Verhandlungen aufgenommen. In den drei Jahren von 1991 bis 1994 brodelte Ruanda, es kursierten Texte wie die „Zehn Hutu Regeln“, die Hutu aufforderten, keine Ehen mit Tutsi einzugehen und auch sonst sich von den Tutsi abzugrenzen. Teile dieser Formulierungen erinnern stark an die Nürnberger Rassengesetze der Nationalsozialisten.

100 Tage

Wer am 7. April 1994 das Flugzeug mit dem Präsidenten Habyarimana abschoss, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Klar dagegen ist, dass das was folgte, kein Ausbruch spontaner Gewalt war, sondern von führenden Politikern und Militärs über die Jahre zuvor geplant wurde. Systematisch hatte die Propaganda das Volk vorbereitet und eifrige Bürokraten hatten Listen mit Tutsi erstellt. Was in Kigali begann, breitete sich binnen weniger Wochen in ganz Ruanda aus und konnte nur durch eine strenge Organisation – getragen von den gesellschaftlichen Hierarchien – ermöglicht werden. Kurz nach dem Abschuss der Maschine gaben Propagandasender wie das erwähnte RTLM ihre Losungen aus: „Fällt die hohen Bäume“ – gemeint waren die oft hochgewachsenen Tutsi.

Sowohl Militär als auch Milizen wie die Interahamwe errichteten Straßensperren und kontrollierten jeden, der passieren wollte. „Dank“ der Belgier war ja im Pass aufgeführt, wer Hutu oder Tutsi war. Hutu konnten passieren, Tutsi wurden an Ort und Stelle ermordet und lagen oft Tage, manchmal Wochen oder gar Monate in Straßengräben. Während das Militär mit Schusswaffen ausgestattet war, töteten die Milizen vor allem mit Keulen und Macheten. Welch unglaublicher Hass sie dabei antrieb, zeigt die Art der Tötungen. Viele Opfer wurden nicht nur abgeschlachtet, sondern zuvor verstümmelt. Die langen Beine wurden häufig abgehackt, Frauen vergewaltigt, die Merkmale ihrer nachgesagten Schönheit wie ihre Brüste wurden abgeschnitten und Schwangeren die ungeborenen Babys aus dem Bauch geschnitten. Nicht wenige verbluteten über Stunden qualvoll.

Gleichzeitig gingen organisierte Militärtrupps die zuvor gemachten Listen von wichtigen Tutsi und gemäßigten Hutu durch und suchten die Häuser ab. Wer nicht voll hinter der sogenannten „Hutu Power“-Bewegung stand, wurde ermordet. Darunter auch die Premierministerin, die unter dem Schutz von belgischen UN-Soldaten stand. Die sie bewachenden Blauhelme wurden in eine Kaserne verschleppt und dort erschossen.

Währenddessen lief überall in Ruanda das Radio. Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal des ruandischen Genozids war das Täter-Opfer-Verhältnis. Es war der wohl einzige Völkermord der Geschichte, in dem es mehr Täter als Opfer gab. Mehr als eine Million Hutu (in einem Land mit etwa sechs Millionen Einwohnern) nahmen an dem Morden teil. Häufig schlachteten mehrere Täter ein Opfer mit ihren Machten und Keulen. Und RTLM trieb sie an, Parolen wie „füllt die leeren Gräber“, „die Soldaten können die Arbeit nicht alleine verrichten“ oder die Aufforderung, ein für allemal „eine bessere Welt für die Ruander zu schaffen“. Und sie folgten. Nicht nur an Straßensperren. Der Völkermord war auch ein häuslicher Völkermord. Nachbarn warfen andere Nachbarn in Latrinen, in denen die Opfer ertranken oder Tage lang aushielten, bis sie qualvoll starben. Hutumänner töteten unter Druck ihre Tutsifrauen, Kinder wurden zum Mord an der eigenen Mutter gezwungen, und Hutufrauen, die einen Tutsimann geheiratet hatten, wurden oft mehrfach und von HIV-positiven Tätern als Mahnung vergewaltigt.

Wie die Jahre zuvor blieb den Tutsi nicht viel anderes übrig, als das Heil in der Flucht zu suchen. Wer konnte, über die Grenzen in die Nachbarländer. In den dörflichen Gemeinden oft in Orte des zentrales Leben: Schulen und Kirchen, hier insbesondere Kirchen. Das Sammeln dort versprach Schutz durch die Masse und gleichzeitig spirituelle Unterstützung und auch die Hoffnung, ihre Häscher, zumindest gläubige Christen, würden vor dem Mord im Gotteshaus zurückschrecken. Bei den Massakern zuvor hatten sich diese Taktiken bewährt. In vielen Kirchen waren teils Tausende, manchmal Zehntausende versammelt.

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Kirche mit Memorial in Kibyue (Quelle:Flickr)

Dieses mal jedoch flohen die Tutsi in Fallen. Hatten sich Hunderte, Tausende oder sogar mehr erst in einer Kirche versammelt, wurden sie bald von Interahamwe und ihren Unterstützern umzingelt. Mit Macheten versuchten die Mörder, auf die Gelände zu gelangen. Scheiterten sie an der Gegenwehr der Masse, riefen sie das Militär zu Hilfe. Schüsse trieben die Tutsi in die Innenräume der Gebäude, Handgranaten sprengten die Türen und Fenster auf. Was dann folgte, dauerte manchmal tagelang. In Handarbeit ermordeten die Rassisten jeden, den sie vorfanden. Auch hier schlug sich der Hass in unglaublicher Brutalität seine Bahnen. In der Kirche von Nyamata beispielsweise liegt heute ein Sarg gebart, in dem eine Frau liegt, die vor ihrer Ermordung von mehr als zehn Männern vergewaltigt wurde und letztlich durch einen Spieß getötet wurde, der ihr vaginal eingeführt und bis zum Hals durchgestoßen wurde.

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Schädel in der Kirche Nyamata (Quelle: Flickr)

Wenn Sie bis hierhin durchgehalten haben, wird Ihnen jetzt wahrscheinlich übel. Mir geht das nicht anders beim Schreiben. Dennoch finde ich es wichtig, aufzuzeigen, wie dieser Völkermord von Statten ging – eben weil solche Akte keine einzelnen Exzesse eines sonst ’sauberen‘ Mordens waren, sondern den Genozid in seiner Art prägten. In der benachbarten Kirche von Ntarama (beide sind heute Memorials) gab es ein Gebäude, in dem sich die Kleinkinder versteckten. Bei der Erstürmung wurde jedes einzelne an den Füssen gepackt und solange gegen die Mauer geschlagen, bis es tot war. Noch heute zeugt ein Blutfleck von der Grausamkeit jener Tage.

Neben der Brutalität war auch auch die unglaubliche Banalität charakteristisch für den Völkermord. Wer sonst auf seinen Feldern arbeitete, ging jetzt morgens auf die Jagd. Auf die Jagd nach Menschen. Morgens versammelten sich die Häscher, durchstreiften tagsüber die Sümpfe auf der Suche nach versteckten Tutsi und machten abends Feierabend. War die Arbeitszeit rum, ging es nach Hause. Auch wenn gerade noch jemand geflohen war – egal – jetzt begann die Freizeit. Morgen war ja schließlich auch noch ein Arbeitstag.

Dass der Genozid nach 100 Tagen zu Ende war, lag nicht daran, dass fast alle Tutsi ermordet waren. Auch nicht am beherzten Eingreifen der UN-Truppe, die ja während des Mordens in Ruanda stationiert war. Sondern am Erfolg der RPF: Direkt nach dem Abschuss Habyarimanas und der ersten Massaker setzen die Rebellen ihren Marsch nach Kigali fort, rekrutierten in Uganda und Tansania neue Soldaten und stießen von Nordosten her stetig vor. Noch immer waren sie militärisch der ruandischen Armee überlegen, nicht zuletzt, da letztere viele Kräfte aufgrund des Mordens eingebüßt hatte.

Im Juli 1994 war schließlich der Völkermord in Ruanda unter ihrer Kontrolle beendet.

Morgen folgen die letzten Kapitel  „Versagen der Internationalen Gemeinschaft“ sowie „Folgen des Genozids bis heute“.

Memorial Week , Wie das Morden zum Alltag wurde, Teil I

Hallo meine lieben Leser,

wie Ihr alle wisst, war ich vor einiger Zeit in Ruanda. Bei meiner Reise dorthin habe ich mich auch mit dem Genozid, der dort im Jahr 1994 stattfand, auseinandergesetzt. Vor meinem Zwischenseminar bzw. meiner Reise nach Ruanda wusste ich selbst nicht unbedingt viel über dieses tragische Ereignis und den schrecklichen Tathergang. Nun möchte ich euch in den nächsten drei Einträgen über den Genozid in Ruanda informieren. Dazu habe ich meinen Regionalbetreuer Bastian um Hilfe gebeten, der sich sehr gut mit diesem Thema auskennt. Falls es euch interessiert, dann nehmt euch bitte Zeit für die nächsten Berichte.

Wie das Morden zum Alltag wurde – Der Genozid in Ruanda 1994

von Bastian Gabrielli

Erinnern Sie sich, wo Sie -sofern alt genug- am 7.4.1994 waren? Die wenigsten werden das. Wir kennen das Phänomen des eingebrannten Tages bei wichtigen, einschneidenden politischen Ereignissen wie vor allem dem 11. September. Dabei nehmen wir nur solche Ereignisse als einschneidend wahr, die uns selbst nah oder durch Berichterstattung näher gebracht werden. Würden wir uns an diesen Dienstag des Jahres 2001 erinnern, wenn nicht den ganzen Tag auf allen Kanälen immer und immer wieder die Flugzeuge in das World Trade Center rasten? Wahrscheinlich nicht. Die Tagesschau vom 7.4.1994 berichtet in ihrem Aufmacher über das Fallen der Arbeitslosenzahlen. Es folgen die Themen Tarifabschluss bei der Bahn, Kohls Appell zur Abschiebung von militanter Kurden, Rüstungslieferungen an die Türkei, Verhandlungen in Bosnien-Herzegowina und Anschläge in Israel. Erst dann berichtet die wichtigste deutsche Nachrichtensendung über den Abschuss des Flugzeuges mit den Präsidenten Ruandas und Burundis über der ruandischen Hauptstadt Kigali und von Unruhen, die es danach in der Nacht gegeben hätte. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits Tausende ermordet. Kein Wunder also, dass bei einer derartigen Gewichtung in den deutschen Nachrichten der 7.4.1994 für uns nicht sonderlich einprägsam war.

Jetzt könnte man einwerfen, dass der 11. September dagegen ein global prägendes Ereignis mit Auswirkungen, Kriegsfolgen und Terrorattacken bis heute nach sich zieht. Das trifft aber ebenfalls auf den Abschuss der Präsidentenmaschine 1994 und den damit verbundenen Auslöser für den Genozid zu. Zur Erinnerung: Zwei Präsidenten starben in dieser Nacht vom 6. auf den 7. April. Der Aufmacher der Tagesschau waren die Arbeitslosenzahlen. Nach nur drei Monaten ist der Genozid in Ruanda beendet, mindestens 800.000 Menschen ermordet, unzählige weitere vergewaltigt, verstümmelt, vertrieben und gezielt mit HIV infiziert.Ich glaube, dass unser Empfinden zu einem Ereignis vor allem durch Berichterstattung und unser Wissen darüber geprägt werden. Aber auch zu unserer persönlichen Nähe zur Thematik.

Der 7. April ist jedes Jahr der Auftakt zur Memorial Week in Ruanda und ein Tag des Gedenkens. Raphael bat mich, da er selbst kürzlich in Ruanda war und wir auf dem Seminar über das Thema sprachen, seinen Lesern das Thema näher zu bringen. Das möchte ich mit diesem Beitrag tun. Um etwas mehr zu berichten, etwas mehr Wissen und auch Nähe zu vermitteln. Naturgemäß wird dies ein längerer Beitrag – ich versuche mich dennoch so kurz wie möglich zu fassen. Auch wenn es ein schweres Thema ist, würde ich mich freuen, wenn Sie den Beitrag in voller Länge lesen. Vielleicht eingeteilt, in kleine Happen den Tag über oder über das Wochenende. Insbesondere im Abschnitt ‚100 Tage‘ geht es zudem um den Ablauf des Genozids selbst – hier werde ich nicht drumherum kommen, explizite Gewaltakte und ihre Brutalität zu erwähnen (wenn auch nicht in allen Details zu beschreiben, es geht mir mehr um den Überblick). Empfindlichere Leser möchte ich daher vor diesem Abschnitt ein wenig warnen.

Von Hutu und Tutsi

Viele haben schon mal von Hutu und Tutsi gehört oder verbinden diese auch direkt mit dem Völkermord in Ruanda. Um zu verstehen -sofern ein Verständnis solcher Gewalt denn möglich ist- wie es dazu kommen konnte, dass radikale Hutu 1994 Hunderttausende Tutsi und gemäßigte Hutu ermorden, ist kaum überraschend ein Blick in die Geschichte nötig.

Und zunächst eine Definition, denn anders als früher oft angegeben, waren Hutu und Tutsi keine unterschiedliche Ethnien, keine Völker, keine Stämme. Sie waren vielmehr Stände: Ethnien unterscheiden sich durch ihre Kultur, Tradition, Herkunft und Sprache. Sowohl Hutu als auch Tutsi teilen aber seit Jahrhunderten die selbe Kultur und Sprache. Wann genau sich beide Gruppen im heutigen Ruanda ansiedelten, ist unklar. Doch schon hunderte Jahre vor der Ankunft sogenannter europäischer Entdecker lebten beide im Königreich Ruandas, das überwiegend von Tutsikönigen regiert wurde. Wir kennen das Ständesystem aus der europäischen Geschichte: Gesellschaftliche Gruppen, etwa Bauern, Adel und Klerus, deren Grenzen in der Theorie zwar durchlässig, in der Praxis aber kaum überwindbare Hürden darstellen. Ein Bauer bleibt ein Bauer, dass er vom König geadelt wurde, war kaum wahrscheinlich. Ähnlich in Ruanda: Die Tutsi bildeten den Beamtenstand, Verwalter und Viehbesitzer. Vieh bedeutete Vermögen. Die überwiegende Mehrzahl der Hutu dagegen waren einfache Arbeiter und Bauern.

Beide Gruppen waren einst aus verschiedenen Regionen nach Ruanda eingewandert: die Hutu als Bantu aus westlicher Herkunft, die Tutsi eher aus nordöstlicher Richtung. Obwohl sie daher ursprünglich einmal unterschiedliche Ethnien darstellten, wurden sie durch Jahrhunderte gemeinsamen Lebens zu einem einzigen Volk und zu den erwähnten Ständen. Zwar gab es Mischehen, doch wir kennen auch das aus Deutschland: Zwischen verschiedenen sozialen Schichten gibt es oft wenig Kontakt. Bei einem Ständesystem nochmal umso mehr – will sagen, die Anzahl der Mischehen war gering. Dadurch behielten viele (ich sage bewusst viele, nicht die meisten oder gar alle) Ruander jener Zeit die äußerlichen Merkmale ihres Standes, etwa hoher Wuchs und hellere Haut bei den Tutsi, die allgemein als sehr schön empfunden wurden, und dunklere Haut mit kräftigerer Statur bei den Hutu.

Als dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ersten Europäer kamen, fanden sie dieses gesellschaftliche Konstrukt vor und versuchten es mit der ihrer Zeit durch Darwins Theorien angestoßene Rassenvorstellungen zu erklären. Und Ruanda passte wunderbar in das Rassenbild der Europäer: Die Tutsi als heller, schöner – ja den Europäern dadurch ähnlicher, schienen durch ihre gesellschaftliche Rolle intelligenter als die wesentlich dunkleren, einfacheren Hutu, die nach der Idee der europäischen Rassisten zu nicht mehr als einfacher Arbeit taugten.

Nach der Kongokonferenz von 1885 wurde Ruanda deutsche Kolonie. Dass die Deutschen führend in der Rassenideologie waren, ist wohl müßig zu erwähnen. Und so mag es kaum überraschen, dass die Kolonialisten ausgestattet mit allerlei Messgeräten die Menschen nach Farbskalen und Nasenlänge untersuchten. Wir kennen solche Bilder aus dem Nationalsozialismus. Und gemäß dem Wahn der Deutschen wurden die Tutsi gezielt für Verwaltungsaufgaben eingesetzt, während die Hutu zu einfachen, harten Arbeiten herangezogen wurden. Das erste Mal wurden aus Ständen Rassen, das erste mal tauchten die Tutsi als Handlanger der Unterdrücker auf – zumindest in den Augen der zu Zwangsarbeiten herangezogenen Hutu.

Mit der Niederlage im Ersten Weltkrieg ging Ruanda zusammen mit dem südlich benachbarten Burundi zu Belgien über, das schon den westlichen Nachbarn, den Kongo, als Kolonie ausbeutete. Die Belgier standen den deutschen Rassisten in nichts nach und gingen sogar weiter: Wer mehr als die vollkommen willkürlich gewählte Anzahl von zehn Rindern besaß, wurde als Tutsi geführt und wer weniger besaß als Hutu. Neu ausgestellte Pässe für jeden Ruander beinhalteten die Angabe der nun festgeschriebenen Rasse. Kinder übernahmen die Angehörigkeit ihres Vaters.

Nun waren aus den einstigen Ständen endgültig festgeschriebene und vererbbare Ethnien gemacht worden, die nicht zu wechseln waren. Die Spaltung der ruandischen Gesellschaft war damit vollzogen und dem Hass radikaler Hutu die Saat gesetzt. Es folgten einige Jahrzehnte, in denen die Belgier eine ähnliche Verwaltungspolitik verfolgten wie die Deutschen und gezielt Tutsi zu Beamten ausbildeten. Die höheren Ausbildungswege waren für Hutu selten zugänglich.

In den 50er Jahren des 20. Jahrhundert setzte in Europa – ausgelöst durch den Rassenhass der Nazis und der Shoa – ein Umdenken in vielen europäischen Köpfen ein. Der Gedanke der biologischen Rassen schien überholt und ein neues Denken wurde modern: Ein pessimistisches Zivilisationsbild und eine Idealisierung des sogenannten „Edlen Wilden“, also von Völkern, die vermeintlich einheitlich mit der Natur lebten und deren scheinbare Idylle vielen vom Krieg geplagten Europäern als paradiesisch erschien. Auch unter belgischen Geistlichen begann ein derartiges Umdenken. In den Kolonien waren es häufig Geistliche gewesen, die sich um die Bildung der Einheimischen kümmerten. Und dieses Umdenken wirkte sich unter dem Druck jener Geistlichen auch in Ruanda aus. Plötzlich schienen die Hutu, die so einfach lebten, fördernswert und die Tutsi als verkopfte Verwalter nicht mehr opportun. Im Prinzip wurde das Bildungssystem mit seinen Diskriminierungen umgedreht und den Tutsi wurde vermehrt der Zugang verwehrt.

Auch begannen in den 50er Jahren in ganz Afrika die Unabhängigkeitsbewegungen fordernder zu werden. Auch hier setzte nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa ein Umdenken ein. Ruanda bildete keine Ausnahme und wurde 1962 ein unabhängiger Staat. Bereits zuvor fanden Wahlen statt und die größte Hutupartei gewann mit 77% der Stimmen – die Hutu bildeten mit sehr grob geschätzten 80% die deutliche Bevölkerungsmehrheit.

Morgen folgen die Kapitel  „Der Weg zum Völkermord“ sowie „100 Tage“.

Hochzeit!!

Mein heutiges Erlebnis, das ich mit euch teilen möchte, ist eine Hochzeit.

Vor einiger Zeit schon waren ich und weitere Freiwillige auf einer Hochzeit eingeladen. Da wir ja gut aussehen wollten, machten wir uns extra noch auf den Weg zum Schneider, um uns – na klar – noch ein paar schicke Klamotten schneidern zu lassen. Aber dies nur so nebenbei!

Da die Trauung an einem Sonntag stattfand, wurde vor der eigentlichen kirchlichen Trauung noch der normale Sonntagsgottesdienst besucht. Dies bedeutete gleich zu Beginn des Tages erst einmal 3 oder 4 Stunden Sitzen. Nach dem Gottesdienst wurden für die Hochzeit die Stühle umgestellt. So langsam trudelten alle Gäste ein, es dauerte jedoch eine halbe Ewigkeit, bis endlich das Brautpaar kam. Der Bräutigam stand vorne, die Braut kam von der anderen Seite rein und beide tanzten dann ganz langsam auf sich zu. Danach tanzten noch die Trauzeugen hinter dem Hochzeitspaar langsam nach vorne. Ihr könnt euch also vorstellen, dass alles ziemlich lang gedauert hat!

Nach Ende der Trauung gab es für das Brautpaar zuerst etwas zu essen, der Rest – also auch wir Freiwilligen – gingen noch leer aus. Nachdem sich das Brautpaar gestärkt hatte, machte sich der Hochzeitszug auf den Weg zur einer Halle. Dabei bestand er nicht wie in Deutschland aus Autos, sondern aus Pikis und einem Dalla. Das Brautpaar fuhr allerdings separat in einem Auto. Unser Ziel war eine kleine Halle. Bevor wir uns aber auf den Weg dorthin machten, fuhren wir erst mal noch eine Stunde durch die ganze Stadt.

An unserem Ziel angekommen, lies es Markus sich nicht nehmen, noch ein Foto mit dem Brautpaar im Auto zu schießen.
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In Tansania bezahlen die Hochtzeitsgäste dafür, dass sie auf die Hochtzeit kommen dürfen. In der Regel sind es so zwischen 5 und 8 Euro pro Person. Für das Bezahlen bekommt man dann eine Eintrittskarte. Am Eingang zur Feier wird diese Karte dann kontrolliert und man bekommt dafür dann Essen und Trinkkärtchen. Hört sich zwar sehr organisiert an, leider ging es jedoch nicht ganz auf mit den Trinkkärtchen. Ich hatte zum Beispiel noch zwei von fünf Kärtchen übrig, leider gab es jedoch kein Trinken mehr.

Die Halle war bunt geschmückt. Auf einem kleinen Podest stand ein Tisch für das Brautpaar und unten links und rechts war für die beiden Familien ein Tisch bereitgestellt.
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Als alle Gäste den Weg in die Halle gefunden hatten, ging die Feier so langsam los. Zuerst kam das Brautbar nacheinander hereingetanzt. Danach wurde ein Band gemeinsam durchschnitten. Übrigens: in Tansania ist es üblich, dass durch das Programm geführt wird. Ein Mann am Mikrofon erklärte also auch auf dieser Feier nochmals lautstark, was gerade passierte und sorgte nebenbei für Stimmung. Ein anderes Higlight des Abends war die Geschenkeübergabe. Jeder, der ein Geschenk dabei hatte, tanzte nacheinander mit dem Geschenk in Richtung Brautpaar.
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Nach dem die Geschenke überreicht wurden, ging es ans Essen. Es war ein Riesenbuffet aufgestellt und – ihr könnt es auch denken – zum Essen wurde auch getanzt . Nach dem Essen verließen sehr viele Gäste ziemich schnell die Halle. Zum Schluss wurde dann noch zu etwa sechs Liedern das Tanzbein geschwungen, bevor die Halle geräumt wurde. Unter der Feier sang immer mal wieder ein Chor. Ach übrigens: während der Feier habe ich die meiste Zeit über einen kleinen Freund bei mir gehabt, den ihr auf dem nächsten Foto sehen könnt.

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Es war total interessant, mal bei einer Hochzeit in Tansania dabei gewesen zu sein. Ich hoffe, euch hat der Beitrag gefallen!

Bis die Tage!

Raphael