Türchen 10

Der heutige Beitrag ist von Jonas (Freiwilliger, One World Sec. School, Kisangara; Kisangara liegt nahe der Stadt Mwanga im Norden Tansanias).

Die schönste Weinachtsgeschichte, die ich kenne :

Ein deutscher Soldat tritt aus dem Dunkel hervor. Ein Lichtstrahl fängt ihn ein. Er beginnt zu erzählen: „Nach dem Abendbrot feierten wir Weihnachten. Auf dem Tisch lagen Äpfel, Nüsse, Tannenzweige mit bunten Bändern. Wir sangen das Weihnachtslied ‚Stille Nacht, heilige Nacht'“ Der Deutsche intoniert das Weihnachtslied. Ein britischer Soldat stimmt mit ein: „Silent night“. Der Franzose und der Belgier schließen sich an: „Douce nuit“.

Siegesgewiss waren die Deutschen wenige Monate vorher in den Krieg gezogen. Geplant war ein kurzer Waffengang. Weihnachten wollte man wieder daheim bei den Liebsten sein. Doch der Durchmarsch nach Paris kam in Belgien und Nordfrankreich zum Stehen. Die verfeindeten Truppen begannen Ende 1914, sich in ein weitverzweigtes Netz aus Schützengräben einzugraben. Mitunter waren die feindlichen Linien nur wenige Dutzend Meter voneinander entfernt – buchstäblich in Hörweite.

Dann geschah ein kleines Wunder. Aus der Schilderung eines deutschen Soldaten: „Endlich kam der eine Engländer aus dem Graben heraus und hielt beide Hände hoch. In der einen Hand hielt er englische Zigaretten und Tabak. Der Engländer kam auf unsere Leute zu und wünschte ihnen ein frohes Weihnachten. Er reichte unseren Leuten die Hand, die den Gruß herzlich erwiderten.“ „Merry Christmas, Jerry.“ [So nannten die Briten die deutschen Soldaten, umgekehrt wurden die Briten ‚Tommy‘ genannt, Anm. d. Red.] „Jetzt stellten wir auf den kilometerlangen Schützengraben Kerzen auf. Das war die reinste Illumination, über die die Engländer durch Zurufe und Händeklatschen ihre Freude ausdrückten. Meine Leute sammelten unterdessen die gefallenen Engländer und Deutschen ein, die schon ganz eingetrocknet waren.“

„Was für ein Tag“, schildert der britische Soldat. „Wir tranken von ihrem Schnaps, von unserem Rum. Wir aßen gemeinsam, zeigten uns Fotos unserer Familien, lachten viel.“ Von irgendwo tauchte ein Fußball auf, und sie begannen zu kicken, zwischen den Schützengräben, mit Mützen als Toren. Dass das Spiel 3:2 für die Deutschen endete, ist wohl eher Legende. Festzustehen scheint hingegen, dass das improvisierte Match in Wulverghem, rund 15 Kilometer südlich von Ypern, stattfand.

(Autorin: Birgit Görtz)

 I wünsche euch einen schönen Abend,

Raphael

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