Neue Erfahrung…

So, heute kommt schon der nächste Eintrag. Es ist zwar kein freudiges Ereignis, war aber eine sehr große Erfahrung  für mich. Letzte Woche war ich auf einer Beerdigung. Ich hoffe, ich kann meine Eindrücke auch ohne Bilder gut mit euch teilen und euch näher bringen.

Die Beerdigung fand ungefähr 35 Kilometer von Omurushaka entfernt statt. Meine Arbeitskollegen und ich machten uns mit dem Auto auf den Weg dorthin. Die Straßen waren, wie soll ich sagen, ziemlich bescheiden und so wurden wir zu zwölft ordentlich durchgeschüttelt. Das Auto stoppte und es machte den Eindruck, als stehen wir im Nirgendwo. Sehr viele Menschen waren auf den Straßen. Außer einer Bananenplantage und einem Weg dorthin war nichts zu sehen. Wir liefen also diesen Weg entlang. Nach ungefähr 300 Metern sah man einen selbst gebauten Pavillon, der mit provisorischen Folien (die einige Löcher aufwiesen) abgedecktwurde. Die tragenden Holzpfeiler wurden in ein weißes Tuch eingewickelt und vieles war weiß/lila dekoriert. Unter dem Pavillon waren Plastikstühle aufgestellt, die alle belegt waren.

Wir gingen also durch die Menschenmengen und unter dem Pavillon hindurch und gelangten in das dahinter gelegene Haus. Im Haus saßen circa 40 Frauen auf den Boden. Durch diesen Raum wurde ich durchgeschleust, bis wir im nächsten Zimmer ankamen. Es wurde nicht viel gesprochen, darum wusste ich auch nicht so ganz, was los war, als alle Ihre Schuhe auszogen. Als wir deiesen Raum betraten saßen schätzungsweise 20 Frauen am Boden. An der einen Wand stand der Sarg mit der verstorbenen Frau. Die Stimmung war bedrückt, was bei solch einem Anlass ja auch gewöhnlich ist. Doch als sie mich sahen (mich, den Weißen), wandelte sich diese Bedrücktheit in Verwunderung um. Als ich dann meine noch nicht so guten Kenntnisse in Suaheli auspackte, machte die Stimmung sogar einen Umschwung zu einem leichten Schmunzeln. Gleich wie in Deutschland gibt man auch hier in Tansania den Familienangehörigen der Verstorbenen die Hand, um sein Beileid auszudrücken.

Die männlichen Angehörigen waren nicht im Haus zu finden, sondern standen abseits des Geschehen beisammen. Nachdem wir auch hier jedem die Hand geschüttelt hatten, liefen wir zum Nachbarhaus. Im Hinterhof war ein Büffet aufgebaut. Das Büfett bestand aus zwei verschiedenen Reissorten, Kartoffeln, Fleisch, Obst und noch ein paar anderen Leckereien. Ich befüllte meinen Teller für meine Verhältnisse sehr gut, doch meine Arbeitskollegen brachten es fertig, fast das Dreifache auf den Teller zu bekommen. Die Männer aßen schließlich im Haus und die Frauen im Hinterhof. Ich bin mir nicht sicher, ob dies auch eine Tradition ist oder ob es eben eine Ausnahme war. Nachdem ich meinen gut befüllten Teller leer gegessen hatte, wurde ich aufgefordert, nochmals zu schöpfen, da es ja umsonst wäre (und da sagt man immer, die Schwaben seien schlimm 🙂 ).

Dann begann der Gottesdienst: der Stromgenerator grölte und man verstand nicht unbedingt viel vom Gesagten (speziell ich noch nicht, da der Gottesdienst auf Suaheli gehalten wurde). Musikalisch wurde der Gottesdienst von einem Keyboard begleitet, das sich ab und zu so anhörte wie ein Mix aus einer schlechten Beat Box sowie aus einem Chor. Die angestimmten Lieder wirkten nicht wie in Deutschland traurig, sondern rhythmisch und auf eine gewisse Art sogar fröhlich. Die Beerdigung wurde auch die ganze Zeit gefilmt, was auf mich etwas befremdlich wirkte.

Im Gottesdienst selbst waren einige Ähnlichkeiten zu einem deutschen Gottesdienst zu erkennen. Hostien wurden verteilt, das Vater Unser wurde gebetet, und das „Friede-sei-mit-uns“ wurde in den Gottesdienst eingebaut. Ein Unterschied zu einem Deutschen Gottesdienst war kurz vor Schluss zu erkennen, als der Sarg geöffnet wurde und jeder der Familie Geld spendete, der am offenen Sarg vorbeilief. So kann man dort auch der Toten noch einmal in die Augen schauen.

Ich hoffe, ich konnte euch einige meiner neuen Eindrücke etwas näher bringen! Es war auf alle Fälle ein sehr interessantes Erlebnis.

Bis bald,
Raphael

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Ein Gedanke zu “Neue Erfahrung…

  1. ok…eine Beerdigung habe ich in Tansania nicht mitbekommen. Jedoch bei anderen festlichen Anlässen wurden immer sehr viele und sehr lange Reden gehalten, hast du vielleicht auch schon miterlebt. Wie läuft es denn mit deinem Kisuaheli?
    Ganz liebe Grüße, auch von Milo, Mara und Bruno
    Milo hat heute ein Bild von dir gesehen und gemeint, „Raphi ist weit weg“ – ja das stimmt wohl.

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